PARIS – VOLUME I

Erlebnisbericht von Madame Bebe
Samstag, 6. März – Paris –HOTEL AMOUR – 21.30
TRANOI – schön wie immer – und genauso anstrengend.
Müde kehren wir ins Hotel zurück. Ein intensiver Messetag liegt hinter uns. Mein Kopf schwirrt von dem Sprachmix aus französisch, englisch und deutsch.
Überflüssig zu erwähnen, wie sich meine Füße anfühlen, nachdem wir von einem Highlight zum nächsten geeilt sind, 150 Hosen, Shirts, Blusen, Jacken etc. an- und wieder ausgezogen, Taschen begutachtet, Parfum und den dazugehörigen, zweifelsohne französisch–charmanten Parfumeur auf sein Durchhaltevermögen getestet. Hervé ist* ein echter Frauenkenner und ich vermute, er ist bei einer sehr schwierigen Mutter groß geworden, so wie der die Ruhe bewahrt.
Oder der Bilderbuch – Franzose: très cool, Dreitagebart, Schlafzimmerblick mit seinen super weichen, qualitativ hervorstechenden T-Shirt – Variationen, der auf meine Frage nach den beeindruckend moderaten Einkaufspreisen mit der Schulter zuckt und sagt, er sei eben der Fabrikbesitzer… ach so.
21. 30 – Ich gehe voraus an die Rezeption, um unsere Zimmerschlüssel einzusammeln. Die studentische Hilfskraft, zu dieser Stunde die Repräsentantin des Hotels Amour schaut mich kühl an und sagt: “Vous – avez un problème.“ Was für ein Problem? Wir brauchen dringend unsere Dusche und etwas zu essen, c’est tout! Dann folgt in fließendem Französisch die Erklärung. Wir hätten ja nur für eine Nacht gebucht, seien heute nicht erreichbar gewesen, man habe unsere Sachen in die Koffer verstaut, die auf den Zimmern standen, sie seien davon ausgegangen, dass es sich nur um zwei Personen handele (klar, nachdem gestern VIER FRAUEN eingecheckt hatten und die Kofferanzahl sich auf VIER beläuft), sie hätten aber noch ein Zimmer frei, (oh Gnade) in dem stünden jetzt die Koffer, (wie freundlich) die anderen beiden müssten sich ein anderes Hotel suchen. Ich bin zunächst sprachlos, dann steigt eine Hitzewelle in mir hoch: “*C*’est uncroyable, c’est pas vrai!“, schießt es aus mir heraus.
Mittlerweile stehen die anderen aufgereiht am Hoteltresen, direkt neben der schwarzen Mickey Mouse Figur (der ‘Clou’: Mickey hat einen erigierten Penis – wie originell!!). In erhitztem Ton erkläre ich, das könne nur ein Missverständnis sein, nenne wieder unsere Buchungsnummer, wiederhole das Gespräch, das ich mit dem Geschäftsführer am Telefon auf französisch und englisch geführt hatte, dass ich seit Jahren Hotels buche, (seit 3 Jahren in Folge auch das Hotel Amour) und IMMER den Termin angebe, in diesem Fall 5.3.–7.3., was ja zweifellos zwei Nächte beinhalten würde und fordere sie auf, uns *jetzt* ein zweites Zimmer zu geben oder sofort den Geschäftsführer zu holen.
Sie schüttelt den Kopf, sagt, da könne sie nichts machen und der Geschäftsführer sei krank, nicht da…???!!! Ich wiederhole meinen Sprechtext nochmal auf englisch, Nataly schaltet sich ein, ein wildes Durcheinander entsteht… und irgendwie versteht man plötzlich auch noch deutsch. Ganz klar – wir sind empört! Wer bitte hat unsere Sachen angefasst???
Warum stehen unsere Koffer nicht an der Rezeption, wenn sie meinten, wir würden nur eine Nacht bleiben? Wo sollen die anderen beiden heute Nacht schlafen? Paris ist voller Messegäste. Die Buchung hatte ich bereits zwei Monate im Voraus getätigt. Die „Empfangsdame“ zeigt sich nun ebenfalls genervt, denn es ist ja UNSER PROBLEM! Sie bemerkt, dass es in der Nähe noch weitere Hotels gebe, na dann soll sie jetzt sofort telefonieren und eins für uns finden.
Sie tut es.
Inzwischen gehen wir auf das genannte Hotelzimmer, um unsere Sachen zu inspizieren… und sind – sprachlos. Beim öffnen der Koffer entdecken wir, dass nicht nur alles irgendwie hineingestopft wurde, Schuhe liegen unverpackt auf zarten Dessous, es fehlen Dinge, die wir, nachdem alles auf dem Boden verteilt wurde, zum Teil im Koffer der anderen finden. Unglaublich! – indiscrétion!
Aber auf dem Gipfel waren wir noch lange nicht. Zurück im Restaurant (es war mittlerweile nach zehn) verlangte ich die Rechnung und entdecke, dass der Betrag (zwei Zimmer für eine, ein Zimmer für zwei Nächte!) zwar auf meinen Namen, nicht aber auf meiner Kreditkarte bereits abgebucht wurde. Die Nummer einer Amex-Karte – ich habe *Mastercard*. Die Rechnung macht die Runde. „Das darf doch nicht wahr sein“ entfährt es Deli. Es ist ihre Nummer. „Wo bitte haben sie die her“? Die müssen sie vom letzten Jahr noch im System gespeichert haben, unglaublich. Wir malen uns diverse Szenarien aus, wie man in diesem Hotel mit fremden Kreditkarten frei übernachten könnte. Und wieder geht es an die Rezeption. Die „Repräsentantin“ zeigt sich nun total überfordert und endlich, sie holt den Bruder des Geschäftsführers’, seines Zeichens der ‘Restaurantleiter’. Als ich in sein sein milde lächelndes *Filou*gesicht sehe, könnte ich ””AUSRASTEN””. Unsere Erklärungen nimmt er gelassen hin, er kann eh nix dafür, was sein Bruder macht, erklärt sich aber bereit, den KRANKEN BRUDER, der sich auf einer Veranstaltung befindet und gegen 0.30 Uhr ins Hotel zurückkommt, zu kontaktieren.
Lässig entspannt offeriert er uns ein petit-déjeuner als Wiedergutmachung – wir verzichten dankend. Immerhin ist der in der Lage, die Rechnung so zu ändern, dass Name und Kreditkartennummer übereinstimmen. Unsere Fragen kann er aber auch nicht beantworten. Stattdessen steht ein paar Minuten später eine Flasche feinperliger Campagner auf unserem Tisch. Für heute reicht es uns. Endlich essen. Es ist gleich zwölf.
Na dann Prost!
PARIS – VOLUME II hier in Kürze.
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Am 25. März 2010 um 13:57 Uhr
… und wenn Frau Beutler meint “AUSRASTEN” - dann meint Frau Beutler auch “AUSRASTEN”.
Ich habe den “Hysterischen” verpasst und bin mit meinem Köfferchen zu Fuß durch die Pariser Nacht getingelt zu unserem neuen Hotel. Frische Luft hilft ja manchmal :-)
Toll wars trotzdem! À bientôt,
Bises
Nic